Im Anschluss an eine Burganlage auf dem hohen Westufer der Neiße entstand um 1220 im Bereich des heutigen Untermarktes die Stadt Görlitz als Fernhandelsplatz. Es siedelten sich Händler an, die Tuche und das Tuchfärbemittel Waid aus Thüringen nach Osteuropa ausführten und Pelze, Wachs und Honig zurückbrachten. Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ortsname Görlitz allerdings schon 150 Jahre eher, im Jahre 1071.
An der alten Handelsstraße "via regia" (Hohe Straße), einem der wichtigsten mittelalterlichen europäischen Handelswege gelegen, erlebte Görlitz im Spätmittelalter eine Blütezeit als Handelsstadt und kulturelle Metropole.
Am Ende des 13. Jahrhunderts umschloss ein Mauerring die Stadt, die heute als Historische Altstadt den ältesten Teil der Stadt Görlitz darstellt. Der historische Altstadtkern mit seinen verwinkelten Gassen, reich verzierten Fassaden, den weiträumigen, für die ehemalige Tuchmacherstadt typischen Hallenhäusern, massiven Befestigungs- und Wehranlagen und ehrwürdigen Kirchen lädt zu einer Entdeckungsreise durch die Vergangenheit ein und lässt Geschichte lebendig werden. Sie ist mit dem gleichnamigen Stadtteil und Sanierungsgebiet identisch und zeichnet sich durch eine Vielzahl von bedeutenden Baudenkmälern unterschiedlicher Stilepochen aus.
Auch die Nikolaivorstadt, ein in unmittelbarer Nähe zur eigentlichen Altstadt gelegenes Stadtgebiet, entstand im Mittelalter, wurde aber im Laufe der Jahrhunderte baulich überformt. Anders als in der Historischen Altstadt gibt es in der Nikolaivorstadt nur wenige besonders herausragende Einzelbauwerke. Hier sind es vor allem Gesamtensembles, Raumsituationen und Straßenbilder, die das unter Denkmalschutz stehende Gebiet auszeichnen. Die Nikolaivorstadt ist, ebenso wie die Historische Altstadt, Sanierungsgebiet und verkörpert gleich ihr eine besondere Wohngegend, die allerdings eher ländlich geprägt ist bzw. Kleinstadtcharakter besitzt.
Der Charme von Görlitz liegt jedoch nicht nur im mittelalterlichen Teil der Stadt, der seinen Gästen auch heute noch einen Hauch von Romantik vermittelt. Auch die charaktervollen Straßen und Plätze des 19. Jahrhunderts in einer geschlossenen Wohnviertelbebauung, wie sie kaum wieder in Deutschland anzutreffen ist, und schöne Jugendstilbauten mit reizvollen Details sind ein Ausdruck der wechselvollen Geschichte von Görlitz.
Heute hat die Stadt an der Neiße eine besondere Brückenfunktion zwischen Ost und West erlangt.